
Kapitel 1:
Seit 1997 ist der öffentlich-rechtliche und in Erfurt beheimatete Kinderkanal von ARD und ZDF mit einem werbefreien TV-Programm für junge Zuschauer auf Sendung und hat im Laufe der Jahre an Popularität und Beliebtheit bei Kindern und Eltern hinzugewonnen. Im Jahr 2007 konnte der Sender seine Marktanteile bei den 3-13jährigen weiter ausbauen und liegt damit quotenmäßig nur noch knapp hinter dem Privatsender Super-RTL, dem Marktführer in der jungen Zielgruppe.
Für Irritation sorgte allerdings eine auf den 14.12.2007 datierte Mail von der KIKA-Redaktion, die ein Fan klassicher Zeichentrickprogramme der 70er und 80er Jahre auf seine Anfrage erhielt, ob man mal wieder die Zeichentrickserien "Marco"; "Tao Tao"; "Rascal, der Waschbär"; "Niklaas, ein Junge aus Flandern"... (und ähnliche Serien im "Biene-Maja"-Stil aus dem Rechtekatalog von EM-Entertainment, die in den 90ern zum Teil auch bei privaten Anstalten gezeigt wurden) wiederholen könne.
Dabei berief er sich auf die Tatsache, dass Videoportale, in denen sich Fans älterer Kinderprogramme zu Gemeinschaften zusammenschließen, immer mehr Zuwachs bekommen; ebenso wie die Seite www.wunschliste.de, eine permanente Abstimmung über Fernsehserien, die mal (wieder) gezeigt werden sollten.
Der KI.KA beantwortete die Anfrage folgendermaßen:
"vielen Dank für Ihre Mail! Bitte entschuldigen Sie, dass wir erst heute auf Ihre Zuschrift reagieren! Aufgrund der Postberge, welche uns in den vergangenen Wochen erreicht haben, war es uns leider nicht eher möglich.
Wir freuen uns, dass Sie sich Gedanken um unsere Programmgestaltung machen und bedanken uns für Ihre zahlreichen Vorschläge.
Den KI.KA gibt es jetzt seit über 10 Jahren. Die Mehrheit der von Ihnen gewünschten Sendungen ist weitaus älter. Wir haben diese also weder gezeigt noch verfügen wir über die Ausstrahlungsrechte.
Natürlich notieren wir uns alle Zuschauerwünsche und prüfen, ob wir die Ausstrahlungsrechte erwerben können bzw. ob uns diese Sendungen überhaupt zur Verfügung stehen. Rechte bekommen wir nur, wenn kein anderer Sender diese besitzt oder das Filmmaterial in einem guten Zustand ist. Bei älteren Filmen ist es möglich, dass sich das Filmmaterial nicht mehr auf die Technik der neuen Bänder übertragen lässt bzw. mit einem hohen Qualitätsverlust einhergeht. Deshalb kann so mancher schöner und beliebter alter Film nicht mehr ausgestrahlt werden, man bekommt die Rechte hierfür einfach nicht mehr.
Zum anderen kann es sein, dass einfach keine Senderechte mehr existieren.
Ein weiterer Grund ist, dass zahlreiche Programme mit der heutigen Lebenswelt der Kinder nichts oder nur wenig zu tun haben. Da wird z. B. im Supermarkt für 6,48 DM (Betonung auch auf DM) eine Festtags-Mahlzeit für die ganze Familie eingekauft. Aufgrund solcher Beispiele können Sie erkennen, dass es neben sehr wohl interessanten Inhalten auch Dinge gibt, die ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit abgeben würden.
Die Geschmäcker und Vorlieben sowie die Wahrnehmung entwickeln sich je nach Umgebung und Umfeld, in der ein Kind aufwächst. Die Medienangebote haben sich glücklicherweise zu größerer Vielfalt hin entwickelt, sind vor allem differenzierter und mehr zielgruppenadäquat geworden. Diejenige Generation von Erwachsenen, die heute Eltern von Nachwuchs im Kindes- und Jugendalter sind, hat selbst als Kind mangels geeigneter Fernsehangebote teilweise zwangsläufig auch Programme angeschaut, die aus heutiger Sicht nicht unbedingt als kindgerecht anzusehen sind.
Kinder, die heute heranwachsen, können hingegen eine Fernsehsendung sehr gut aufnehmen, die ihre Eltern unter Umständen als schnelllebig oder hektisch empfinden. Den Kindern gefällt das Gesehene, ihren Eltern ganz und gar nicht. Umgekehrt können heutige Kinder in manchen Fällen nicht nachvollziehen, dass ihre Eltern für eine Fernsehsendung aus ihrer eigenen Kindheit schwärmen, die sie selbst aber so gar nicht anspricht. Dieser Unterschied in Geschmack und Wahrnehmung ist nicht von der Hand zu weisen. Dahinter steht auch ein anderer Kontext der Sozialisation, der jede neue Generation von der vorangehenden unterscheidet.
Der KI.KA bemüht sich allerdings stets und mit großem Erfolg, die erwarteten Inhalte, die Kindern helfen sollen, sich in der Welt von heute zu orientieren und Medienkompetenz zu bekommen, anzubieten. Allerdings in anderer, den heutigen Umständen angepassten Formen. Das bedeutet nicht, dass in jedem Fall Programme von "früher" für eine Ausstrahlung im Jahr 2007 ungeeignet wären. Im Gegenteil: der KI.KA feierte das 50-jährige TV-Jubiläum der Augsburger Puppenkiste mit Raritäten, die von keinem anderen Sender ausgestrahlt wurden und spielten den Mehrteiler "Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer" aus dem Jahr 1968. Diese Reihe ließe sich bequem weiter fortsetzen.
Ihre Wünsche werden wir aber bedauerlicherweise aus den ebengenannten Gründen nicht erfüllen können und bitten um Ihr Verständnis!
Am besten Sie fragen einmal bei den privaten Sendern nach, bei denen Sie Ihre Lieblingsserien aus der Kindheit auch gesehen haben.
...
Viele Grüße aus Erfurt! KI.KA-Team"
Die IRfz erkennt die Mühe, die sich die Redaktion mit der Beantwortung der Zuschaueranfrage gemacht hat, an und hat auch Verständnis dafür, dass der KI.KA nicht alle Zuschauerwünsche erfüllen kann. Jedoch hält die IRfz die Argumentation im fettgedruckten Teil für fraglich und möchte diese im Dialog mit Pädagogen und Medienwissenschaftlern auf ihre Sachlichkeit überprüfen lassen, da davon auszugehen ist, dass der KI.KA auf dieser Grundlage sein Programm zusammenstellt und bewertet.
Folgenden Aussagen stimmt die IRfz zu:
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Die Geschmäcker und Vorlieben sowie die Wahrnehmung entwickeln sich je nach Umgebung und Umfeld, in der ein Kind aufwächst.
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Die Medienangebote haben sich zu größerer Vielfalt hin entwickelt, sind vor allem differenzierter und mehr zielgruppenadäquat geworden.
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Kinder, die heute heranwachsen, können eine Fernsehsendung sehr gut aufnehmen, die ihre Eltern unter Umständen als schnelllebig oder hektisch empfinden.
Folgende Aussagen hält die IRfz für undifferenziert:
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Diejenige Generation von Erwachsenen, die heute Eltern von Nachwuchs im Kindes- und Jugendalter sind, hat selbst als Kind mangels geeigneter Fernsehangebote teilweise zwangsläufig auch Programme angeschaut, die aus heutiger Sicht nicht unbedingt als kindgerecht anzusehen sind.
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Den Kindern gefällt das Gesehene [in modernen Kindersendungen], ihren Eltern ganz und gar nicht. Umgekehrt können heutige Kinder in manchen Fällen nicht nachvollziehen, dass ihre Eltern für eine Fernsehsendung aus ihrer eigenen Kindheit schwärmen, die sie selbst aber so gar nicht anspricht.
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Zahlreiche Programme von früher haben mit der heutigen Lebenswelt der Kinder nichts oder nur wenig zu tun. Da wird z. B. im Supermarkt für 6,48 DM (Betonung auch auf DM) eine Festtags-Mahlzeit für die ganze Familie eingekauft. Aufgrund solcher Beispiele kann man erkennen, dass es neben sehr wohl interessanten Inhalten auch Dinge gibt, die ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit abgeben würden.
Begründung zu 1:
Programme, die zwar für Kinder entwickelt werden, jedoch als nicht kindgerecht anzusehen sind, gab es damals wie heute. Ebenso gab es früher Kinderprogramme, die auch aus heutiger Sicht als kindgerecht und zeitlos anzusehen sind, aber leider aus unterschiedlichen, meistens wirtschaftlichen und finanziellen Gründen seit Jahren nicht mehr im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt werden. Die IRfz hält Zeichentrickklassiker wie „Tao Tao“, „Marco“, „Niklaas, ein Junge aus Flandern“ etc. für ebenso kindgerecht wie die bekannten und in den letzten Jahren vom KI.KA immer wieder gezeigten Serien „Die Biene Maja“, „Heidi“ „Wickie und die starken Männer“ und „Nils Holgersson“.
Begründung zu 2:
Die Aussage „Kindern gefällt das Gesehene, ihren Eltern ganz und gar nicht“ ist - auch wenn man sie nur auf moderne Kinderprogramme bezieht - sehr pauschal und erweckt bei so manchem Leser den Eindruck, als wäre es Gesetz, dass Eltern eine aktuelle Kinderserie nicht gefallen würde. Dies ist realistisch betrachtet aber nicht der Fall. In den 80ern waren viele Eltern sehr angetan von den pädagogisch wertvollen Kinderserien, die von ARD und ZDF angeboten wurden. Dies gilt z.T. auch heute noch für viele aktuelle Kinderprogramme des KI.KA wie z.B. „Franklin“, „Der kleine Bär“ oder „Erdferkel Arthur und seine Freunde“.
Die Behauptung, dass „heutige Kinder in manchen Fällen nicht nachvollziehen [können], warum ihre Eltern für eine Fernsehsendung aus ihrer eigenen Kindheit schwärmen, die sie selbst aber so gar nicht anspricht“ ist ebenfalls sehr pauschal bzw. missverständlich, da nicht klar ist, was mit der Formulierung „in manchen Fällen“ gemeint ist; nämlich ob sich diese auf „manche der heutigen Kinder“ oder auf „manche alte Kinderserie“ bezieht. Korrekter müsste es heißen: Ein Teil der heutigen Kinder kann nicht nachvollziehen, warum ihre Eltern für eine Fernsehsendung aus ihrer Kindheit schwärmen, die sie selbst aber so gar nicht anspricht.
Begründung zu 3:
Es ist zwar richtig, dass zahlreiche Programme von früher mit der Lebenswelt der Kinder wenig zu tun haben. Dies gilt aber ebenso für zahlreiche Programme von heute.
Vorrangig sind es außerdem die Medien (u.a. auch das Fernsehen) selbst, die heutzutage die Lebenswelt der Kinder gestalten, anstatt sich ihrer realen Lebenswelt anzupassen. Oder anders gesagt: Die Medien haben die Lebenswelt der Kinder in den letzten Jahren entscheidend verändert und auf diese Weise auch ihre Wahrnehmung beeinflusst.
Wie die Redaktion selbst anmerkt, entwickeln sich die Geschmäcker und Vorlieben sowie die Wahrnehmung je nach Umgebung und Umfeld, in der ein Kind aufwächst. Die Medienangebote sind zweifellos Bestandteil der Umgebung und des Umfeldes, in der ein Kind aufwächst und nehmen somit Einfluss auf die Geschmäcker und Vorlieben von Kindern. Wenn also viele der heutigen Kinder Sendungen favorisieren, die Eltern als schnelllebig und hektisch empfinden, liegt dies nicht zuletzt daran, dass in den letzten Jahren vermehrt solche Sendungen für das Kinderfernsehen produziert wurden und so nach und nach die Sendungen von früher verdrängt haben.
Ob viele der heutigen Kinder auch die alten und lange nicht mehr gezeigten Sendungen von früher interessant finden können, lässt sich nur herausfinden, indem man diese im Programm anbietet.
Angesichts der Tatsache, dass Kinder bereits sehr früh lernen, Fiktion von der Realität zu unterscheiden und es sich bei den vorgeschlagenen Programmen um fiktionale Inhalte und keine Dokumentationen handelt, sieht die IRfz keine Gefahr, dass diese ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit vermitteln könnten. Ob Kinder einen Märchenfilm sehen, in dem mit Goldmünzen bezahlt wird oder eine alte Kinderserie aus den 80ern, in der mit DM bezahlt wird, ist vor diesem Hintergrund also ziemlich irrelevant.
publiziert am 06.03.2008, aktualisiert am 30.03.2008
© 2008, IRfz
Kapitel 2:
Der KI.KA hat sich mit von Zuschauern schriftlich geäußerter Kritik zu der oben zitierten E-Mail befasst. Kritisiert wurde vor allem, dass man heutigen Kinder durch dein Drängen auf zeitgemäße Programme weniger Möglichkeiten bietet, frühere Lebenswelten kennen zu lernen. Die Gefahr, dass ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit abgegeben werden könnte, sei nicht gegeben (siehe Kapitel 1, "Begründung zu 3"), sondern vielmehr würde der Horizont der Zuschauer dadurch erweitert werden. Der KI.KA antwortete mit folgenden Argumenten:
"Wir freuen uns, dass Sie auf diesem Wege Ihre Gedanken zu unserer Programmgestaltung darlegen! Sicher können Sie nachvollziehen, wie schwierig es in diesem Zusammenhang ist, allen Zuschauerwünschen gerecht zu werden. Es gibt zu allen Filmen, Serien und anderen Sendungen stets unterschiedliche Ansichten.
Bei der Auswahl unserer Filme, Serien und Beiträge achten wir darauf, unseren Zuschauern ein Angebot zusammenstellen, das nicht nur ihrem Alter entspricht, sondern alle Bereiche ihrer aktuellen Lebenswelt aufgreift und widerspiegelt. Unser Programm soll die Kinder informieren, für soziale und gesellschaftliche Themen und Probleme sensibilisieren und sie vor allem auch unterhalten. Deshalb gehören informative und lehrreiche Sendungen wie "Löwenzahn" oder "logo!" gleichermaßen in unser Programm wie Comedy, Trick- und Realserien, Unterhaltungs- und Spielshows, Märchen- oder Abenteuerfilme, Magazine und Wissenssendungen.
Verschaffen Sie sich einen detaillierten Überblick über unser Programmangebot, werden Sie feststellen, dass neben neuen und bekannten Serien auch viele beliebte Klassiker regelmäßig im KI.KA ihren Platz finden, welche unter anderem auch einen historischen Rückblick auf andere Zeitalter bzw. Epochen ermöglichen. Dennoch lassen sich nicht alle Sendungen problemlos in die heutige Zeit übertragen, was wir anhand des besagten Beispiels aus der "Rappelkiste" verdeutlichten. Dabei spielt nicht die größte Rolle in welcher Währung bezahlt wird, vielmehr ging es in unserem Beispiel um den Fakt, dass man heutzutage für den genannten Betrag kein Festagsessen mehr bekommt. Neben Sendungen, die einen Bezug zur aktuellen Erlebniswelt unserer Zuschauer herstellen, zeigen wir darüber hinaus - wie bereits erwähnt - auch Fantasysendungen sowie Märchen. Da diese aber per se nicht den Anspruch erheben, die Wirklichkeit wiederzugeben, vermögen diese entsprechend auch kein verzerrtes Bild der Realität abzugeben.
Da wir in erster Linie Programm für die Kinder von heute machen und nicht für frühere Generationen, konzentrieren wir uns wir entsprechend auch auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Zielgruppe - und das sind Kinder bis 13 Jahre.
Der KI.KA bietet mit großem Erfolg die erwarteten Inhalte an, die Kindern helfen, sich in der Welt von heute zu orientieren und Medienkompetenz zu erlangen. Allerdings in anderer, den heutigen Umständen angepasster Form. Diesen Weg wird der KI.KA als öffentlich-rechtlicher Sender weiter fortsetzen. Sie können sich vorstellen, dass sich der KI.KA mit knappsten finanziellen Mitteln (von Ihren GEZ-Gebühren gehen lediglich 18 Cent pro Monat für täglich 15 Stunden Kinderprogramm an den KI.KA und die Kinderredaktionen bei ARD und ZDF) auf seine Kernaufgaben konzentrieren muss. Neben inhaltlichen und rechtlichen existieren auch finanzielle Problemstellungen.
Bei der Entscheidung zwischen einer Produktion wie z. B. unseres Medienmagazins TRICKBOXX, in welchem Kinder selbst eigene Trickfilme herstellen und Medienkompetenz vermittelt wird, oder einer Wiederholung einiger weniger Folgen des "Feuerroten Spielmobils" oder der "Rappelkiste", fällt die Priorität seitens der ARD, des ZDF und des KI.KA in der Regel auf die Herstellung zeitgemäßer eigener Programmformate.
Wir hoffen, Sie können unseren Standpunkt vor diesem Hintergrund nachvollziehen und wünschen Ihnen in diesem Sinne weiterhin viele vergnügliche und interessante Fernsehminuten mit dem Programm des KI.KA!"
Die IRfz freut sich darüber, dass der KI.KA auch kritische Rückmeldungen zu diesem Thema umfassend beantwortet und nimmt erneut Stellung zu den in der oben zitierten Mail aufgeführten Thesen und Argumenten
Dies sind im Wesentlichen:
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Viele beliebte Klassiker finden regelmäßig ihren Platz im KI.KA und ermöglichen unter anderem auch einen historischen Rückblick auf andere Zeitalter bzw. Epochen.
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Nicht alle Sendungen von früher (z.B. "Rappelkiste") lassen sich problemlos in die heutige Zeit übertragen und könnten wie bereits erläutert ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit abgeben. In dem vom KI.KA angeführten Beispiel macht sich dies weniger an der verwendeten Währung bemerkbar, sondern vielmehr an dem Fakt, dass man heutzutage für 6,48 DM kein Festmahl mehr bekommt.
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Da Fantasysendungen und Märchen (im Gegensatz zu einer Sendung wie "Rappelkiste") per se nicht den Anspruch erheben, die Wirklichkeit abzubilden, vermögen solche Sendungen auch kein verzerrtes Bild der Realität abzugeben.
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Wir richten uns bevorzugt nach den Bedürfnissen und Wünschen unserer Zielgruppe: Kinder zwischen 3-13 Jahren.
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Aufgrund finanziell knapper Mittel muss sich der KI.KA auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Daher hat die Produktion eines zeitgemäßen Formates, das Medienkompetenz vermittelt, Vorrang gegenüber der Wiederholung von Kinderprogrammklassikern.
Stellungnahme zu 1:
Nach Auffassung der IRfz werden inzwischen (etwa seit 2006/07) verhältnismäßig wenig Klassiker bzw. wenig vor 1995 produzierte Programme im Programm des KI.KA angeboten. Pro Tag entfallen im Schnitt etwa nur noch 50 Minuten Sendezeit auf ältere Programme, wobei 25 Minuten davon sehr oft nur eine Wiederholung der Sendung vom Vortag ausmachen. Das allein wäre weniger problematisch, wenn es sich nicht im Wesentlichen um immer dieselben Serien/Programme handeln würde, vorrangig die Zeichentrickklassiker "Wickie", "Heidi", "Biene Maja", "Pinocchio", "Alice im Wunderland" und "Nils Holgersson". Einmal pro Woche ist in der Regel noch ein älterer Märchenfilm zu sehen. Ansonsten wurden in den vergangenen zwei Jahren (mit Ausnahme einiger weniger im November 2007 gezeigter Astrid-Lindgren-Filme und ein paar im Frühjahr wiederholter Folgen der Augsburger Puppenkiste) keine weiteren Kinderprogrammklassiker mehr vom KI.KA angeboten. Ein vielfältiges Angebot an beliebten Klassikern wird daher zumindest vom KI.KA allein nicht mehr erbracht. Wie vereinzelte Ausstrahlungen in den Dritten Programmen und im ZDF beweisen, bestehen theoretisch Rechte für weitere ältere Sendungen. Dort können sie zwar von interessierten Zuschauern noch gesehen werden, erreichen aber die KI.KA-Zuschauer nicht mehr so leicht, da die Sendeplätze sehr versteckt sind. Die IRfz vermutet daher, dass der KI.KA diese Sendungen gezielt "ausrangiert" hat, da zu niedrige Zuschauerzahlen befürchtet werden, was dem angestrebten Ziel, die Marktanteile zu steigern und mit den Privaten gleichzuziehen, im Wege steht. Dies geht eindeutig zu Lasten der Kinder, die durchaus Gefallen an den nach Ansicht des KI.KAs weniger populären Kindersendungen finden könnten, aber nun kaum noch Chancen haben, überhaupt darauf aufmerksam zu werden. Der im KI.KA für solche Sendungen durchaus zur Verfügung stehende Sendeplatz wird stattdessen eher mit "quotenträchtigeren" Sendungen gefüllt, die aber bereits in einer anderen Zeitschiene zu sehen sind und innerhalb eines Jahres bis zu zehnmal und mehrfach wiederholt werden.
Stellungnahme zu 2:
Da man mit der Wiederholung eines alten Programms auch beabsichtigt, einen Rückbick auf frühere Trends und Zeitgeschmäcker zu ermöglichen, besteht keine Notwendigkeit, dass sich die darin gezeigten Inhalte in die heutige Zeit übertragen lassen. Ausstrahlungen älterer Sendungen geben daher vielmehr ein realistisches Bild über die Vergangenheit ab, ohne die gegenwärtige Wirklichkeit zu verzerren. Das vom KI.KA angeführte Beispiel kann vor diesem Hintergrund nicht überzeugen, da man es kaum beanstanden kann, wenn heutige Kinder erfahren, dass man früher für 6,48 DM ein Festmahl bekommen konnte.
Stellungnahme zu 3:
Die IRfz stimmt der These, dass Märchen kein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit abgeben, zu - wie bereits in Kapitel 1 erläutert. Die IRfz versteht die Aussage des KI.KAs so, dass Sendungen, die per se den Anspruch erheben, die Wirklichkeit abzubilden, ein verzerrtes Bild der Realität abgeben können, wenn sie nicht mehr aktuell sind. Es mag sein, dass eine nicht fiktionale Kindersendung wie die "Rappelkiste" per se und zum Zeitpunkt ihrer Erstausstrahlung tatsächlich einmal den Anspruch hatte, die Wirklichkeit bzw. die damalige Gegenwart abzubilden. Die Wiederholung einer solchen Sendung in der heutigen Zeit hätte aber weder den Anspruch, die Gegenwart abzubilden (, sondern einen ganz anderen -> siehe "Stellungnahme zu 2"), noch bestünde die Gefahr, dass diese unbeabsichtigter Weise ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit abgegen würde. Da sich die in älteren nicht fiktionalen Kindersendungen gezeigten Lebenswelten von der Gegenwart in vielen Details unterscheiden (,was der KI.KA auch selbst anmerkt), kann man davon ausgehen, dass heutige Kinder Sendungen von "früher" auch als solche erkennen. Kinder würden also beim Anschauen älterer Formate kaum schlussfolgern, dass die dort gezeigten Inhalte auch heute noch gelten müssen. Im Gegenteil könnten manche Kinder sogar dazu angeregt werden, in der Realität und Gesprächen mit den Eltern selbst herauszufinden, was sich seit damals verändert hat bzw. was früher auch noch anders war als heute und so ihren Horizont erweitern. Ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit würde also lediglich eine aktuelle Dokumentation abgeben, welche die heutige Zeit widerspiegelt und in der z.B. tatsächlich behauptet wird, im Jahr 2008 könne man für 6,48 DM im Supermarkt eine Festtags-Mahlzeit für die ganze Familie einkaufen. Da die IRfz hauptsächlich dafür eintritt, dass ältere fiktionale Kinderserien mit fiktiven Inhalten wiederholt werden, ist dieser Diskussionspunkt im konkreten Zusammenhang eher nebensächlich. Entscheidend dagegen ist Punkt 4:
Stellungnahme zu 4:
Da alle Kinder unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse haben, ist davon auszugehen, dass es auch Kinder gibt, denen moderne und zeitgemäße Programme nicht zusagen und die mehr Gefallen an klassischen Kinderprogrammen der 70er und 80er Jahre haben. Die Mehrheit der heute 3-13jährigen Zuschauer interessiert sich hauptsächlich für aktuelle Fernsehangebote. Der KI.KA zieht den Schluss, den Bedürfnissen und Wünsche seiner Zielgruppe gerecht zu werden, wenn er sich bevorzugt nach dieser Mehrheit der 3-13jährigen Kinder richtet. Das hat zwangsläufig die Vernachlässigung einer Minderheit zur Folge. Kinder, die lieber unpopuläre und ältere Programme sehen, werden daher doppelt belastet: Sie müssen einerseits die Erfahrung machen, dass ihre Geschmäcker von einer Mehrheit nicht geteilt werden; und andererseits wird ihnen der Zugriff auf Angebote, die ihren Wünschen und Vorstellungen entsprechen, erschwert. Von den privaten und rein kommerziell ausgerichteten Anstalten ist nicht zu erwarten, dass sie auch Minderheitenprogramme anbieten. Der öffentlich-rechtliche KI.KA ist daher nach Auffassung der IRfz in die Verantwortung genommen, sich dieser wichtigen Aufgabe, die von den Privaten nicht erfüllt wird, wieder mehr anzunehmen. Das bedeutet nicht, dass der KI.KA sein komplettes Programm umstellen und zu 50% mit klassischen Inhalten ausstatten soll. Allerdings sollte er den betroffenen Kindern deutlich machen: "Auch auf Euch wird Rücksicht genommen." Zwar gibt es noch vereinzelte Ausstrahlungen mit älteren Inhalten (s. "Stellungnahme zu 1"), doch das Angebot ist in der Vergangenheit immer weiter reduziert worden. Daher dürfte diese Botschaft wohl kaum bei den Zuschauern ankommen. Um deutlich zu machen, dass auch Kinder mit Minderheitengeschmäckern ernstgenommen und nicht ausgegrenzt werden, könnte der KI.KA beispielsweise eine feste Zeitschiene pro Tag oder wenigstens pro Woche festlegen, die für ältere Programme (vor 1995) vorreserviert wird. Kinder, die sich bevorzugt für ältere Sendungen interessieren, hätten dann eine spürbare Gewissheit, dass ihre Wünsche einen festen Platz im KI.KA haben. Eine halbe Stunde Sendezeit pro Tag (z.B. im Frühprogramm) zu diesem Zweck bereitzustellen, ist aus Sicht der IRfz ein sehr bescheidener Wunsch. Dass auch ausreichend Material rechtlich für diesen Platz zur Verfügung stehen würde, beweisen die Ausstrahlungen in einigen Dritten Programmen (siehe "Stellungnahme zu 1"). Auch von finanzieller Seite aus ließe sich mit gutem Willen etwas erreichen. So könnte man die Rechte für populäre und mehrfach im Jahr gezeigte Programme für einen etwas längeren Zeitraum (z.B. ein- zwei Jahre) als sonst entbehren und die so eingesparten Kapazitäten auch einmal für weniger beliebte Sendungen nutzen. Die quotenträchtigeren Sendungen würden weiterhin ausgestrahlt werden können; nur eben etwas seltener. Es kann sein, dass die Marktanteile unter einer solchen Regelung geringfügig leiden würden. Jedoch hätte man insgesamt ein breiter gefächertes Angebot mit einer höheren Geschmacksvielfalt, was nach Meinung der IRfz deutlich höher zu bewerten ist als jede Quote. Selbst, wenn die früheren Erfahrungen gezeigt haben sollten, dass ältere Formate eher einen geringeren Zuspruch bekommen, muss bei einer solchen Regelung nicht zwangsläufig mit einem Quotenverlust gerechnet werden. Die Kinderprogrammklassiker "Wickie und die starken Männer" und "Nils Holgersson" wurden in diesem Jahr vom KI.KA mit großem Erfolg bei den 3-13jährigen gezeigt (bis zu 38% Marktanteil), der bei früheren Ausstrahlungen im KI.KA nicht erzielt wurde. Auch die Mehrheit der zeitgemäßen Kinderprogramme kann diese Werte nicht erreichen. Die IRfz sieht darin einen Trend, dass klassische Programminhalte bei Kindern wieder beliebter werden. Dass eine weniger bekannte Serie wie z.B. "Niklaas, ein Junge aus Flandern" einen so hohen Zuspruch nicht bekommt, ist anzunehmen. Aber die Zuschauerzahlen wären vermutlich nicht so gering wie bei einer Ausstrahlung, die vor drei/vier Jahren stattgefunden hätte. Auch vor diesem Hintergrund bittet die IRfz den KI.KA sehr herzlich darum, zu überlegen, ob es nicht vielleicht doch Sinn macht, die Archivbestände mal wieder etwas intensiver auf sendefähiges Material zu prüfen.
Stellungnahme zu 5:
Die IRfz bedauert, dass der KI.KA die Wiederholung von Kinderprogrammklassikern nicht als eine seiner Kernaufgaben ansieht. Auch ein nicht zeitgemäßes Programm kann in der heutigen Zeit Medienkompetenz vermitteln, da es die Veränderungen gegenüber heutigen Standards aufzeigt und deutlich macht, wie "früher" Fernsehen gemacht wurde. Dieses Wissen ist notwendg, um nachvollziehen zu können, warum man es heute anders macht. Selbstverständlich kann man auch innerhalb eines zeitgemäßen Formates kurze Rücklicke platzieren. Jedoch geschieht dies nicht in der anschaulichen und objektiven Form, wie bei der Wiederholung einer kompletten Sendung von damals, die nicht weiter kommentiert wird.
publiziert am 18.06.2008, kommentiert am 25.07.2008 und 15.09.2008
© 2008, IRfz
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